Ein Schwarm von unverdroßnen Bienen
Hielt einstens einen großen Rat.
Es sprach die albernste von ihnen:
Soll denn der ganze Bienenstaat
Für fremde Nationen wachen,
Und soll er seinen teuren Schatz,
Den Honig, nur für Menschen machen?
Für sie? O Torheit unsers Staats!
Die uns an statt der Dankbarkeit
Für bloßes Ungeziefer hielten;
Und ihren Mut zu jeder Zeit
Mit Brand und Mord an uns erkühlten?
Zudem, ihr meine lieben Freunde,
Gestatten sie dem Bienenfeinde,
Dem Storchen, nächst an unsern Hütten
Noch andre Störche mehr zu brüten.
Wiewohl der Vortrag dieser Biene
Dem Bienenvolk geziemend schiene,
So hieß man solchen doch nicht gut.
Sie faßten einen hohen Mut,
Und sprachen: Laßt uns, wie vorhin,
Für Undankbare uns bemühn;
Wir können ja nicht besser handeln,
Als jenem Triebe nachzuwandeln,
Der uns im innern überzeugt,
Der nimmer die Geschöpfe treugt.
Drum lasset uns als Bienen leben;
Laßt uns dem Menschen Süßes geben;
Das sei der Ruhm von unserm Staat;
So sterben wir als rechte Bienen,
Und wir erlangen Lob bei ihnen.
Denn lebten wir für uns allein,
So könnt es wohl nicht anders sein,
Sie hielten uns für schwarze Fliegen;
Sie litten unsern Stachel nicht,
Und wären stets auf uns erpicht;
Sie würden täglich mit uns kriegen.
Sie schlossen; kurz, nichts soll uns kränken;
Wir wollen mit Geduld bedenken,
Daß ihnen frei steht, uns zu morden,
Daß wir für sie geschaffen worden.
Aus der Schweiz



