Zu Jüterbog lebte einmal ein Schmied, der war ein sehr frommer Mann und trug einen schwarzen und weißen Rock; zu ihm kam eines Abends noch ganz spät ein Mann, der gar heilig aussah, und bat ihn um eine Herberge; nun war der Schmied immer freundlich und liebreich zu jedermann, nahm daher den Fremden auch gern und willig auf und bewirtete ihn nach Kräften. Andern Morgens, als der Gast von dannen ziehen wollte, dankte er seinem Wirt herzlich und sagte ihm, er solle drei Bitten tun, die wolle er ihm gewähren. Da bat der Schmied erstlich, daß sein Stuhl hinter dem Ofen, auf dem er abends nach der Arbeit auszuruhen pflegte, die Kraft bekäme, jeden ungebetenen Gast so lange auf sich festzuhalten, bis ihn der Schmied selbst loslasse; zweitens, daß sein Apfelbaum im Garten die Hinaufsteigenden gleicherweise nicht herablasse; drittens, daß aus seinem Kohlensack keiner herauskäme, den er nicht selbst befreite. Diese drei Bitten gewährte auch der fremde Mann und ging darauf von dannen. Nicht lange währte das nun, so kam der Tod, wollte den Schmied holen. Der aber bat ihn, er möge doch, da er sicher von der Reise zu ihm ermüdet sei, sich noch ein wenig auf seinem Stuhl erholen. Da setzte sich denn der Tod auch nieder, und als er nachher wieder aufstehen wollte, saß er fest. Nun bat er den Schmied, er möge ihn doch wieder befreien, allein der wollte es zuerst nicht gewähren; nachher verstand er sich dazu unter der Bedingung, daß er ihm noch zehn Jahre schenke. Das war der Tod gern zufrieden, der Schmied löste ihn, und nun ging er davon. Wie nun die zehn Jahre um waren, kam der Tod wieder, da sagte ihm der Schmied, er solle doch erst auf den Apfelbaum im Garten steigen, einige Äpfel herunterzuholen, sie würden ihnen wohl auf der weiten Reise schmecken. Das tat der Tod, und nun saß er wieder fest. Jetzt rief der Schmied seine Gesellen herbei, die mußten mit schweren eisernen Stangen gewaltig auf den Tod losschlagen, daß er ach und wehe schrie und den Schmied flehentlich bat, er möge ihn doch nur freilassen, er wolle ja gern nie wieder zu ihm kommen. Wie nun der Schmied hörte, daß der Tod ihn ewig leben lassen wolle, hieß er die Gesellen einhalten und entließ jenen vom Baum. Der zog glieder- und lendenlahm davon und konnte nur mit Mühe vorwärts. Da begegnete ihm unterwegs der Teufel, dem er sogleich sein Herzeleid klagte. Aber der lachte ihn nur aus, daß er so dumm gewesen, sich von dem Schmied täuschen zu lassen und meinte, er wolle schon bald mit ihm fertig werden. Darauf ging er in die Stadt und bat den Schmied um ein Nachtlager; nun war’s aber schon spät in der Nacht und der Schmied verweigerte es ihm, sagte wenigstens, er könne die Haustür nicht mehr öffnen, wenn er jedoch zum Schlüsselloch hineinfahren wolle, so möge er nur kommen. Das war nun dem Teufel ein leichtes und sogleich huschte er durch, der Schmied war aber klüger als er, hielt innen seinen Kohlensack vor, und wie nun der Teufel darin saß, band er ihn schnell wieder zu, warf den Sack auf den Amboß und ließ seine Gesellen wacker drauflosschmieden. Da flehte der Teufel zwar gar jämmerlich und erbärmlich, sie möchten doch aufhören, aber sie ließen nicht eher nach, bis ihnen die Arme von dem Hämmern müde waren und der Schmied ihnen befahl aufzuhören. So war des Teufels Keckheit und Vorwitz gestraft, und der Schmied ließ ihn nun frei, doch mußte er zu demselben Loch wieder hinaus, wo er hineingeschlüpft war und wird wohl kein Verlangen mehr nach einem zweiten Besuch beim Schmied getragen haben.
Der Schmied zu Jüterbog

Unsere Leserwertung
[Gesamt: 1 Durchschnitt: 5]
Neue Verkörperungen
- Drei Wünsche 14. Dezember 2025
- Kunibert – Der Krieger des Willens 13. Dezember 2025
- Carpe diem! 8. Dezember 2025
- Abschied für immer 1. Dezember 2025
- Cannetella 27. November 2025
- Oft in der stillen Nacht 23. November 2025
Verkörperungen
Beliebteste Verkörperungen
- Dann gibt es nur eins! (1.330)
- Die Nacht (971)
- Die Ordnung der Natur (970)
- Legende der Prinzessin von Guatavita (951)
- Wie das Krokodil zu seinen Zähnen kam (943)
- Die vier Freunde (901)
- Die Bürgschaft (893)
- Zwei Bäume (880)
- Vom dummen Honza (855)
- Das Mädchen, das aus der Höhe kam (855)
Impulse
Achim von Arnim (5)
Ada Christen (4)
Aesop (9)
Anna Ritter (5)
Annette von Droste-Hülshoff (7)
Bettina von Arnim (5)
Betty Paoli (5)
Brüder Grimm (22)
Christian Morgenstern (5)
Detlev von Liliencron (5)
Deutsche Märchen (39)
Deutsche Sagen und Fabeln (32)
Eduard Mörike (4)
Emanuel Geibel (4)
Erzählungen (8)
Franz Grillparzer (4)
Friedrich Rückert (4)
Friedrich Schiller (13)
Friedrich Schlegel (5)
Gedichte (223)
Georg Büchner (4)
Georg Herwegh (4)
Georg Trakl (4)
Gottfried August Bürger (4)
Gottfried Keller (4)
Hans Christian Andersen (6)
Heinrich Heine (6)
Heinrich Seidel (4)
Hermann Hesse (4)
Johann Wolfgang von Goethe (11)
Karl Simrock (5)
Klaus Adolf Kreuzer (7)
Louise Aston (4)
Ludwig Bechstein (12)
Luise Hensel (4)
Matthias Claudius (4)
Märchen (70)
Märchen aus aller Welt (31)
Novalis (6)
Sagen (61)
Sagen und Fabeln aus aller Welt (32)
Theodor Fontane (4)
Wilhelm Busch (5)
Wilhelm Hauff (4)
Wolfgang Borchert (4)
Aufbewartes
Deutsche Dichterinnen – eine Hommage

In diesem Band widmen wir uns den Deutschen Dichterinnen von Ende des 18. Jahrhunderts bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Eine kleine Hommage, die trotz Fokussierung auf 15 sprachgewaltige Frauen dieser Epoche, doch etwas umfangreicher wurde. Alle möglichen Dichterinnen zu berücksichtigen, wäre ein gewaltiges Gesamtwerk geworden.
Beachten Sie auch die Weihnachtspreise auf alle ebooks!

