Es war einmal ein Knabe, der auf seinem kleinen Roller einen weiten, schweren Weg ging. Er trug die Last der Erwachsenen, zu früh für sein Alter, und sein Herz war traurig. Da öffnete sich über ihm ein Licht, und eine Stimme sprach: „Es gibt keine Frage, die nicht beantwortet ist.“ Von diesem Tag an trug er diesen Satz wie ein unsichtbares Schwert in seiner Brust.
Der Knabe wurde ein Mann, und der Mann wurde ein Hüter. Doch bevor er diese Rolle fand, musste er stolpern. Er wurde Vater, und er wurde auch schuldig. Er lernte, dass Fehler tiefe Schatten werfen. Doch er erkannte: aus den Schatten wächst die Fähigkeit zu sehen, zu hören, zu empfinden. Und so wurde er langsam das, was er nie gesucht, aber immer gebraucht hatte: Liebe und Verständnis.
Sein Bild war ein Wasserfall. Mächtig stürzte er hinab, wild und unaufhaltsam. Doch unten im Tal blieb nicht nur das Wasser, das weiterfloss – sondern der Klang, der alles erfüllte. Und dieser Klang rief die Menschen, nicht zum Schlaf, sondern zur Veränderung.
Der Mann wurde zum Hüter des Gebirges. Er stellte keine Mauern auf, er fragte nur: „Wohin willst du?“ Wer diese Frage beantworten konnte, durfte eintreten. Wer sie nicht beantworten wollte, blieb draußen.
Am Ende seines Weges wusste er: Er kehrt zurück zur Quelle. Gesintert durch die Schichten des Lebens, klar und rein, tritt er wieder hervor. Nicht um zu enden, sondern um im Kreislauf zu fließen.
Sein Vermächtnis aber sprach er in die Herzen: „Man darf Fehler machen!“ Denn bewusste Menschlichkeit ohne Fehler gibt es nicht.
Und so blieb er im Klang des Wasserfalls, im Herzschlag des Lebens, nicht als Name, nicht als Werk, sondern als Freude – wie ein Akkord in H-Moll, tief, ernst und schön.
Und wer sich an diesen Klang erinnert, findet den Mut, selbst zu fragen – und zu antworten.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Klaus Adolf Kreuzer



